“Es ist besser zu wissen, was für ein Mensch das ist, der eine Krankheit hat, als nur zu wissen, welche Krankheit er hat”: Gemäß dieser Aussage des kanadischen Mediziners William Osler aus dem Jahr 1901 entdeckt die Medizin heute wieder zunehmend die Bedeutung von Spiritualität.

 

Ein Patient ist vorallem Mensch! Ebenso Ärzte.

Als Palliativmedizinerin gehört es selbstverständlich zu ihren Aufgaben, schwer kranke Menschen auf ihrem oft letzten Weg zu begleiten. Und zwar nicht nur mit Medikamenten, sondern auch mit geistiger Zuwendung.

Doch was für sie selbstverständlich ist, ist für viele Nichtpalliativmediziner ein Hemmnis. “Das Heilen und Schmerzenlindern übernimmt man gern selbst, das Trösten wird delegiert an die Seelsorger”, berichtet Bausewein bei der Veranstaltung “Spiritualität und Medizin” des SZ-Forums Gesundheit in der Katholischen Akademie in Bayern.

Geistliche Fürsorge für Patienten

Doch diese strikte Trennung zwischen Medizin und Spiritualität scheint im Wandel. Die Wissenschaft dazu heißt “Spiritual Care”. Der evangelische Pfarrer Traugott Roser übersetzt das junge interdisziplinäre Fach an der Grenze zwischen Medizin und Theologie mit “Sorgende Haltung”.

“Spiritual Care” ist kein neumodischer Begriff für Seelsorge, betont Jesuit und Mediziner Eckhard Frick. Seit vier Jahren leitet der Professor Deutschlands ersten und bislang einzigen Lehrstuhl für “Spiritual Care” an der LMU München. Es gehe um eine Fürsorge, die geistlich sein kann – aber nicht muss. Darum, die Sorgen, Fragen und Bedürfnisse eines Kranken wahr- und ernst zu nehmen. Und zwar nicht nur als Seelsorger, sondern als jeder Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Des Weiteren ist “Spiritual Care” nicht auf Palliativpatienten begrenzt: Sie wird überall relevant, wo Menschen in Grenzsituationen kommen, die Sinnfragen aufwerfen. Das kann bei der Mitteilung einer ernsten Diagnose sein oder auch bei chronischen Krankheiten.

Quelle übernommen und original Artikel:

https://www.sonntagsblatt.de/artikel/spiritualitaet-mystik/wie-spiritualitaet-und-medizin-wieder-zueinanderfinden-wollen